Bildschirmausdruck von der Webseite der Band Eisenrot aus Hamburg, www.eisenrot.de

Die CD - die Besprechungen

EISENROT

Sehen sich Eisenrot selbst nun als Doppel-Trio oder sind sie ein Sextett? Im Grunde ist das völlig egal. Viel wichtiger erscheinen die musikalischen Urgewalten, die von den zwei Posaunisten, zwei Bassisten und zwei Schlagzeugern ausgehen. „Musik aus dem Hinterhof des Kopfes“ nennen sie ihr nach allen Seiten offenes Klang-Konzept. Was soviel bedeutet, alles bewußt und unbewußt Aufgenommene findet in ihrer Musik Raum. Kaum etwas von dem wird geschönt, geglättet oder geschliffen. Keine melodischen Liebens-würdigkeiten. Rau, manchmal wuchtig erschlagend kommt die Musik daher. Fast körperlich und mit einem radikalen Gestus an musikalischer Hyperaktivität dringt die Tradition der europäischen Jazz-Avantgarde aus jedem Ton. Kreative Explosionen und außergewöhnliche Soundland-schaften auf der Basis zwischenmenschlicher Gruppendynamik. Jeder improvisatorische Rich-tungswechsel, der von einem der Instrumentalisten vollzogen wird, ist für den Rest der Band Herausforderung. Entweder der neu eingeworfenen Idee zu folgen, oder aber gegen sie anzuspielen, unvorhersehbar zu bleiben und die Spannung weiter anzuheizen. Auf diesem Album brennt das Feuer lichterloh. Bis zum letzten Ton.

JazzPodium, Dezember 2007

Eisenrot kratzt die Gehörgänge frei

Die Länge der Stücke, die Besetzung als Doppeltrio mit je zwei Mal Posaune, Bass und Schlagzeug, lässt Schlimmes befürchten, endloses selbstverliebtes Sologenudel über brachialen Geräuschorgien durchgeknallter Rhythmiker. Und dann kommt es noch schlimmer! Eisenrot ist sexy, macht Spass und glänzt mit straff organisierter Musik, klaren Melodien, subtilen Klanggebäuden und einem Energieausstoß, der bei Konzerten ein oft jugendliches Publikum imaginäre Schlüpfer der Begeisterung auf die Bühne werfen lässt.

.... Musik also als Vehikel für eine Fahrt ins Ungewisse.

Jazzthetik, 11/2007, Interview von Henry Altmann mit HE Gödecke

Fein und Feist

Eisenrot ist ein markiger Name für ein Hamburger Sextett, dessen Musik vordergründig ähnlich markig und massiv daherkommt. Es ist ein doppeltes Trio mit basslastiger Ausrichtung, das sich noch dazu dem Erbe der freien europäischen Improvisationsmusik verschrieben hat. Was man aber auf dieser ersten CD hört, hat weniger mit dem zerebral-zirpenden oder dem teutonisch-tosenden FreeJazz zu tun als mit dessen Ausgangspunkt bei Coltrane oder Archie Shepp. Da wird massiv - in doppelter Ausfertigung - gekocht und geswingt. "Eisenrot" stürzt sich lustvoll in die fetten Bassklänge und freut sich am feinen, feisten Zusammenklang. Ein Gruppenklang mit Zukunft!
Musik: 5 Sterne, Klang: 5 Sterne.

fonoforum, November 2007

B5aktuell – Jazztipp September 2007

Während Carlo Crameri zunächst Musiker, dann bildender Künstler war, machte der Hamburger Heinz-Erich Gödecke zunächst als Künstler Furore, bevor er sich mit immerhin 40 Jahren vorwiegend der Musik zuwandte. Mit zahlreichen Stars der freien Jazz-Szene hat er schon gespielt, aber sein Meisterwerk dürfte wohl das von ihm konzipierte und komponierte erste Album der Jazzband Eisenrot sein. Eisenrot ist ein Doppel-Trio, bestehen aus 2 Bläsern, 2 Bassisten, 2 Schlagzeugern....
Die Musik von Eisenrot kann lärmen & fauchen, holpern & swingen, manchmal aber auch leise und zart sein. Vieles klingt archaisch, vor allem wenn die Bläser Gödecke und Schweizer zum tibetischen Horn oder zum Didjeridoo greifen, aber das hervorstechende Kennzeichen ist die Dramatik dieser Musik, sind die Brüchen und unerwarteten Wendungen, die den 10 bis 20 Minuten langen Stücken jede Langeweile austreiben.
Die CD von Eisenrot, erschienen beim Hamburger Jazzlabel blue pearls music, ist nicht nur ein Klang-Kunstwerk. Die erste Auflage von 1000 Stück ist nummeriert und jedes Cover ist von Heinz-Erich Gödecke eigenhändig bemalt. Jazz auch für Kunst-Sammler.

Bernhard Jugel, Bayerischer Rundfunk